Beim Landesschützen-Regiment

Nach Ablauf dieses herrlichen Urlaubes mußte ich mich bei meinem Ersatztruppenteil, dem Artillerieregiment Nr. 34 in Trier/Kemmelkaserne melden, von wo ich nach vierzehn Tagen nach Darmstadt versetzt wurde. Am Tage vor meiner Abstellung konnte ich jedoch noch eine Dienstfahrt nach Saarburg machen, wo ich mit einem Unteroffizier zusammen einen Arrestanten in der MG-2-Kaserne abholen mußte. Auf dieser Fahrt besuchte ich meine Eltern noch kurz.

In Darmstadt war ich acht Tage, dann wurde ich zum Landesschützen-Regiment 776 in Mainz versetzt. Ich mußte mich jedoch nicht in Mainz, sondern sofort in Nierstein beim I. Bataillon vorstellen. Dort befahl man mich zur 2. Kompanie nach Worms.

Die Kompanie verteilte sich auf fast 50 Kommandos, bestehend aus je zwei bis drei Mann, welche auf den Bauerndörfern Gefangene zu bewachen hatten. Ich gelangte zum Arbeitskommando Nr. 1674 in Gau-Köngernheim im Kreis Alzey. Auf diesem Kommando hatte ich mit noch einem Kameraden 35 russische Gefangene zu bewachen. Beköstigt wurden wir Soldaten in einer Gastwirtschaft (Acker). Von 12 bis 15 Uhr war dienstlich Bettruhe angesetzt, als Ausgleich für die Nachtstunden, in denen wir abwechselnd wachen mußten. Ab 15 Uhr war bis 20 Uhr Feldkontrolle angeordnet. Es war aber mehr eine Kontrolle, wo die Dorfschönen arbeiteten, als eine Kontrolle der Gefangenen.

Am 1. Juli wurde ich zum Gefreiten befördert und erhielt acht Tage Landwirtschaftsurlaub. Nach meinem Urlaub kam ich auf ein anderes Kommando und zwar nach Bermersheim im Kreis Worms. Hier war der Tagesablauf derselbe, lediglich mit dem Unterschied, daß wir bei den Bauern in Kost waren.







In Worms im Juli 1944

Nach einigen Wochen mußte ich wieder mein Ränzlein schnüren und ein anderes Kommando mit meiner Gegenwart beglücken. Diesmal war es das schmucke Winzerdörfchen Abenheim, vier Kilometer von Worms. Dieses Lager war 60 Mann stark und rekrutierte sich aus Franzosen und Belgiern. Im Saal einer Gastwirtschaft waren die Gefangenen untergebracht.

Einige Wochen später mußte ich auch hier wieder weg, um einem Kommando in Rheindürkheim als Kommandoführer vorzustehen. Hier hatten wir Inder zu bewachen, die nicht wie üblich bei Bauern, sondern in einem Industriebetrieb arbeiteten.

Inzwischen war es nun Oktober geworden und die sogenannte Himmler-Aktion begann. Sämtliche militärischen Dienststellen wurden auf dessen Befehl durchforstet und alle Soldaten, die ohne Krücken gehfähig waren, wurden an die Front beordert. Ich erhielt die Aufforderung, mich in der Universitätsklinik Heidelberg einer Untersuchung unterziehen zu lassen. Dort wurde ich - wie zu erwarten - "KV" (kriegsdienstverwendungsfähig) geschrieben. So mußte ich einige Tage später dem Landesschützenbataillon "Lebewohl" sagen. Zurückblickend kann ich sagen, daß dieses die schönste Zeit meines Soldatenlebens war.

 

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