Einberufung, Vereidigung und Grundausbildung

Am 1. Dezember 1942 wurde ich achtzehn Jahre alt. An diesem Morgen brachte mir der Briefträger zusammen mit den Glückwunschkarten einen Einberufungsbefehl zur schweren Artillerieabteilung (mot) 105 in Metz. Man teilte mir mit, daß ich mich am 8. Dezember in Trier beim Wehrbezirkskommando zu melden habe. Schweren Herzen begleitete mein Vater mich dort hin. Hier erfolgte lediglich die Einordnung nach den verschiedenen Waffengattungen und die Feststellung der Vollzähligkeit. Ich war damals stolz, Artillerist zu werden. Die rote Waffenfarbe gefiel mir schon immer besser als das Weiß der Infanterie. Wer die Möglichkeit hatte, am nächsten Tag bis elf Uhr wieder in Trier zu sein, konnte jetzt noch mal nach Hause fahren. So durfte ich noch einmal in meinem guten Federbett schlafen.

Als ich am nächsten Morgen nach Trier kam, ging es mit Sack und Pack zum Hauptbahnhof, von wo wir gegen zwölf Uhr in Richtung Metz abdampften. Mit dem Lied "Muß` i denn ..." sagten wir unserer Heimat und dem alten Trier "Auf Wiedersehen".

Nach mehrstündiger Fahrt entlang der Obermosel trafen wir in den späten Nachmittagstunden in Metz ein. Nach einem halbstündigen Marsch mit unserem schweren Gepäck kamen wir in unserer Unterkunft, der 33er Feldartillerie-Kaserne an. Hier kam dann die erste Nacht auf einem Feldbett. Als diese vorüber war, ging es zur Einkleidung. Schon am übernächsten Tag erhielten wir eine zweite Garnitur - eine vollständig neue Feldausrüstung. Die vielen Klamotten waren uns neugebackenen Soldaten eine wirkliche Belastung.

Schon am nächsten Sonntag erfolgte die Vereidigung, welche von einer Musikkapelle der Luftwaffe umrahmt wurde. In den ersten acht Tagen erhielten wir die erste Phase der Grundausbildung. Hiernach verließen wir die vorgenannte Kaserne und wurden in die "Freiherr-von-Fritsch-Kaserne" nach Pont-á-Mousson verlegt. Dort erfolgte eine Verwendungsfähigkeitsprüfung.

Nach Abschluß dieser Prüfung kam ich zur Nachrichtenstaffel und wurde als Funker am "Dora"-Gerät ausgebildet. Nebenbei erhielten wir noch eine Ausbildung am Karabiner 98k, am Maschinengewehr und am 10,5-cm-Langrohrgeschütz.

Bei infantristischen Übungen im nahegelegenen Priesterwald (Bois le Prêtre) stießen wir öfters auf Stellungsgräben aus dem I. Weltkrieg. Wir jungen Soldaten wunderten uns damals, daß solche dort noch vorzufinden waren. Heute kaum zu glauben, mit welchem Respekt und großer Ehrfurcht wir diese Gräben betraten, da wir alle glaubten, hier könnten auch unsere Väter während des Kampfes gestanden haben.

Mit einer schönen Weihnachtsfeier mit Bescherung und einem Gottesdienst in der dortigen Kirche verlebte ich meine ersten Weihnachten fern der Heimat. An Neujahr hatten wir unseren ersten "geschlossenen" und am zweiten Sonntag im Januar unseren ersten "freien" Ausgang. Vor einem solchen Ausgang mußten wir uns auf der Wache abmelden. Dabei wurde die Uniform überprüft. Wenn in den Sohlen der Stiefel ein Schuhnagel fehlte, war dies ein Grund, die Ausgangserlaubnis rückgängig zu machen.

Doch was nützte das, wenn man kein einziges Wort französisch konnte. Unser vorheriger Standort Metz war ja bereits wieder nach Deutschland eingegliedert worden. Dort sprach die ältere Bevölkerung auch noch deutsch. Aber Pont á Mousson gehörte zum französischen Mutterland.

Die Freiherr-von-Fritsch Kaserne in Pont á Mousson war eine sehr alte französische Kaserne. Es ist nicht bekannt, welchen Namen sie früher trug. Wenn die heutigen Bundeswehrsoldaten in solchen Gebäuden leben müßten, würden sie mit Sicherheit ihren Wehrdienst verweigern. Für den gesamten Bering (vier große dreistöckige Blocks) gab es nur eine Toilette im Kasernenhof nach französischem Muster, d.h. keine Sitzgelegenheit. Somit auch keinen sogenannten "Donnerbalken". Die Notdurft mußte in Hocke-Stellung verrichtet werden.

Damit man diesen unbeliebten Ort nicht so oft aufsuchen mußte, war die Verpflegung keineswegs zu üppig und für uns Achtzehnjährige kaum ausreichend. Dafür haben wir, wenn es Pellkartoffeln gab, dieselben mit der Schale verzehrt, weil die Mittagspause schon halb vorbei war, bis wir in langer Schlange stehend, endlich an die Ausgabe gelangten. Meistens war nach dem Mittagessen noch Appell in Waffen oder Bekleidung angesetzt, wofür wir noch vorher tätig werden mußten.

Am 25. März fand eine Besichtigung unserer Einheit durch den zuständigen Armeegeneral statt.


Soldatenheim Pont á Mousson







Das Foto zeigt den Mousson-Berg (382 m) bei Pont á Mousson.
Der Ortsname besagt auf deutsch: Brücke am Mousson




Haupteingang und ehemalige Wache der
Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Pont á Mousson im Jahre 1975




Die Batterie kehrt von einer Felddienstübung in die Kaserne zurück.
Im Hintergrund die Unterkunft der Nachrichtenstaffel



Belegschaft der Stube Nr. 20

 

 

Unser Spieß, Hauptwachtmeister Pawelke bei der Postverteilung.
In seiner Begleitung - mit Stahlhelm - der "UvD und der "GvD"
(Unteroffizier bzw. Gefreiter vom Dienst)

 

 

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