Verlegung nach der Normandie und erster Urlaub

Ende März war auch dieser Aufenthalt vorbei. Wir wurden in der nahegelegenen Stadt Nancy "auf die Bahn verladen" und kamen in die Normandie. In diesem Bereich wurde die 6. Armee neu aufgestellt, da deren Vorgängerin bei Stalingrad vernichtet worden war.

In dem französischen Dorf St. Martin wurde ich der Stabsbatterie, I. Abteilung des Artillerieregimentes 389 zugeteilt. Unsere Batterie bezog Quartier in einem alten Schloß in der Nähe dieses Ortes. Zunächst führte noch ein Fähnrich namens Schwarz die Batterie.

Als wir uns nach ungefähr acht Tagen häuslich eingerichtet hatten, bekamen wir Pferde. Es waren französische Ackergäule, die sogar ohne Hufeisen waren. So wurden wir von "mot" auf "hot" umgeschult. Zunächst wurden den Bauernsöhnen Pferde zugewiesen. Um diesem tierischen Anhang zu entgehen, gab ich bei der Frage nach dem Beruf "Winzer" an. Als die Bauernsöhne jedoch nicht ausreichten, sagte man mir: Die Winzer werden auch was von Pferden verstehen. Und man drückte mir gleich drei Pferde in die Hand. Zusätzlich noch das Reitpferd des Zugführers Uffz. Rogler.

So wurde ich vom Funker zum Fahrer. Ich sollte die Vorderpferde des Funkwagens fahren. Hierzu war natürlich erforderlich, daß man reiten konnte. Doch was man bei "Preußens" nicht konnte, mußte schließlich erlernt werden. So erhielten wir nun täglich Reitunterricht auf der Reitbahn und im freien Gelände. Ein Reitlehrer von der Reitschule Hannover (Wolf) sollte uns diese Kunst beibringen.

Durch die schönen Ausritte zu Pferde machte mir diese Ausbildung nach und nach mehr Spaß. Selbst auch dann noch, wenn mein Pferd das Hindernis nicht überspringen wollte und es infolgedessen hieß: "Klein absitzen" und ich neben dem Pferd laufend, gemeinsam mit ihm das Hindernis überspringen mußte. Als besondere Schikane gab es dann noch den Befehl "Aufsitzen ohne Steigbügel".

Nach einigen Wochen war dieser Abschnitt der Ausbildung ebenfalls beendet und wir kamen in das Dorf St. Amand in der Nähe der Stadt Torigni sur Vire. Hier wurden wir in einer Schule einquartiert. Nur die Vorgesetzten erhielten Privatquartiere. Die Ausbildung im Reiten und Fahren wurde fortgesetzt. Nun hatten auch unsere Hinterteile sich inzwischen an das Reiten gewöhnt. Im Gegensatz zu den ersten Wochen, wo nicht selten der Sanitäter tätig werden mußte. Meine Pferde wurden in einem Stall der Familie Prestavoine untergebracht.

Am 27. Juni 1943 erhielt ich die freudige Nachricht, daß ich in Urlaub fahren durfte. Am selben Tage mußte ich noch nach Torigni, wo unser Stab lag. Dort gab mir der Zahlmeister, der aus dem damaligen Saarlautern stammte, noch ein Paket für seine Frau mit. Montags in aller Frühe marschierte ich mit noch einem Kameraden zu einer vier Kilometer entfernten Bushaltestelle. Der Bus brachte uns in die Stadt Caen. Von dort ging es mit einem Personenzug nach Rouen. Weiter dann mit einem Schnellzug nach Paris-St. Lazare.

Uns wurde empfohlen, hier einen Gepäckträger zu nehmen. In diesem Labyrinth der Metro hätten wir uns alleine nicht zurecht gefunden. Vom Ostbahnhof "Gare de l`Est" aus ging es in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages mit einem Urlauberzug in Richtung Saarbrücken. Nach einem Abstecher in Saarlouis und Dillingen trudelte ich am späten Nachmittag in meinem Heimatdorf ein. Hier verlebte ich siebzehn herrliche Urlaubstage.

Am 18. Juli mußte ich wieder bei meiner Einheit sein. Anfang September wurde diese in die kleine nordfranzösische Stadt Peries verlegt. Aber auch hier sollte uns die Sonne Frankreichs nicht mehr lange scheinen.






In Reituniform (Reithose mit Lederbesatz, Reitstiefel mit Sporen)
Foto aufgenommen beim Besuch meiner Verwandten im Forsthaus Avelsbach bei Trier, Juli 1943

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