Lazarett und Genesungsurlaub

Als es hell wurde, sah ich die Bescherung: Meine Füße waren blau und dick angeschwollen. Der Versuch, meine Schuhe wieder anzuziehen, mißlang. Deshalb wickelte ich zwei vorgefundene Stück Sackleinen um meine Füße und humpelte zum Hauptverbandsplatz. Über die Tragweite meiner erlittenen Erfrierungen war ich mir zu dieser Zeit noch nicht bewußt.

Erst als man mir nach Anlegen der Verbände erklärte, ich würde mit noch mehr Verwundeten mit einer "Ju" weggeflogen, wurde mir der Ernst meiner Lage klar. Auf Panjefahrzeugen wurden wir von Russen auf den Flugplatz gefahren. Als nach stundenlangem Warten immer noch kein Flugzeug in Sicht war, wurden wir auf Lastwagen verladen und nach Uman gebracht. Hier blieben wir in einer Krankensammelstelle zwei Tage lang. Am dritten Tage wurden wir mit Sankas zum Bahnhof gefahren und in einen Lazarettzug verladen. Die anschließende Fahrt ging bis Lemberg. Hier wurden wir ausgeladen und in ein Feldlazarett gebracht.

In Lemberg durften wir das erste Mal mit deutschen Rot-Kreuz-Schwestern Bekanntschaft machen. Bevor wir in schöne, weiße Betten kamen, wurden wir in einer großen Entlausungsstelle unserer Begleittierchen entledigt. Nach acht Tagen wurden die nicht Bettlägerigen aussortiert. In einem Personenzug ging es dann ab in Richtung Warthegau. Jarotschin, Kreis Posen, war das Ziel. Auf der Fahrt dorthin wurden uns auf mehreren Bahnhöfen Liebesgaben von deutschen Organisationen überreicht. In Jarotschin mußten wir unsere Uniformen ablegen und wurden in blau-weiß gestreifte Lazarettanzüge gesteckt.


Im Lazarett Jarotschin bei Posen, jetzt Polen.
Der Kamerad in der Mitte hieß Hannemann und war Doppel-Beinamputiert.
Die Rot-Kreuz-Schwester trug den Namen Klein

Wie sicher fühlte man sich hier; man glaubte fast, zu Hause zu sein. Die liebende und sorgende Pflege der Rot-Kreuz-Schwestern ließ uns alle die in den letzten Wochen nervenanstrengenden Kämpfe und Strapazen vergessen. Endlich in Ruhe schlafen, essen und noch mal schlafen. Die Ärzte stellten an meinen Füßen Erfrierungen dritten Grades fest. Nach acht Wochen liebevoller Pflege der Ärzte und Rot-Kreuz-Schwestern wurde ich am 25. April aus diesem Lazarett entlassen.

Nach Erhalt eines sogenannten "Führerpaketes" konnte ich mich mit einem Urlaubsschein in Händen, welcher auf 28 Tage Genesungs- und Erholungsurlaub lautete, in Fahrt setzen. Ich fuhr über Posen - Frankfurt/Oder - Berlin - Braunschweig - Paderborn - Köln - Trier der Heimat zu.

 

 

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