Letzter Abschied von Zuhause

Ich wurde nun zu meinem Ersatztruppenteil, dem Art.-Regt. 34 in Trier beordert. Mir war zu dieser Zeit schon bekannt, daß dieses Regiment wegen der Frontnähe nach Regensburg verlegt worden war.

Da dieses aber die einzige Möglichkeit war, wieder kurz nach Schoden zu kommen, verschwieg ich mein Wissen. Da der Reiseweg nicht vorgeschrieben war, wählte ich bewußt die Strecke über Saarbrücken, um so an Schoden vorbeizukommen. So konnte ich wieder einige Stunden bei meinen Eltern verweilen.

Auf dem Petersberg in Trier teilte man mir dann offiziell mit, daß die Kaserne geräumt und die Einheit nach Regensburg an die Donau verlegt worden sei. Infolgedessen wurde mir bei der Stadtkommandatur ein Marschbefehl nebst Fahrkarte nach Regensburg ausgestellt. Ohne Marschbefehl war jeder Soldat zu dieser Zeit ein Opfer der Feldgendarmerie. Nach Erhalt der üblichen Marschverpflegung ging es wieder nach Hause.

Solche Abstecher wären in den ersten Kriegsjahren nicht möglich gewesen, da der Zugverkehr damals noch ohne Unterbrechung klappte. Doch jetzt, im Jahre 1944, waren durch Luftangriffe und Fronteinwirkungen bedingt leicht einige Tage Verzögerung in glaubwürdiger Weise herauszuschlagen.

Die feindliche Artillerie schoß zu dieser Zeit bereits bis nach Konz. Einen Tag verblieb ich nochmals bei meinen Eltern. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, daß dies das letzte Zusammentreffen meines Lebens mit meinen lieben Vater und meiner Tante Maria sein sollte.

In der Gewißheit, daß in einigen Wochen der Kampf hier toben würde, nahm ich schweren Herzens Abschied von meinen Lieben. Nach zwei Tagen Fahrt kam ich endlich in Regensburg an. Bei der Bahnhofskommandatur erhielt ich die Auskunft, daß mein Truppenteil in der Ritter-von-Speck-Kaserne liegen würde. Dort angekommen, wurde ich der Reit- und Fahrbatterie zugeteilt. Hier erlebte ich nach einigen Tagen den ersten Luftangriff. Wie hilflos kam man sich im Keller sitzend vor, wenn die Wände wackelten und das Licht ausging.

An der Front hatte man die Möglichkeit sich zu wehren, hier im Keller aber nicht. Nach diesem Angriff, der den nahegelegenen Messerschmitt-Werken galt, wurden wir bei der Bergung von Toten und Verwundeten eingesetzt.

 

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